Geschichte

1960

Ein starkes Hochwasser beeinträchtigt die Arbeit der Papierfabrik nur marginal. Tagelange Regenfälle führen Anfang Dezember dazu, dass das Gelände der Papierfabrik von einem starken Hochwasser heimgesucht wird. Schäden an der Dampf- und Stromversorgung führen dazu, dass die Produktion zwei Tage pausiert. Aber man weiß sich zu helfen: Mit einem Traktor-Shuttle werden die Arbeitnehmer von der Ausbachstraße zum Arbeitsplatz und wieder zurück gebracht.

1961/1962

Ein geplanter Ausbau der Kläranlage der Stadt Vreden droht, eine hohe Kostenbeteiligung der Papierfabrik nach sich zu ziehen. Verhandlungen beginnen. 

Gezwungen durch den Hollandvertrag plant die Stadt Vreden eine biologische Ausbaustufe der Kläranlage. An den hohen Baukosten von 2,15 Mio. DM sollen sich alle "nassen" Betriebe Vredens zu mehr als 70 Prozent beteiligen. Allein für die Papierfabrik bedeutet das einen Anteil von rund 42 Prozent. Um eine Existenzgefährdung abzuwenden, finden erste Verhandlungen der betroffenen Firmen mit dem Ziel der Kostensenkung statt. Diese ziehen sich über Jahre hin. Zudem dauern Beschwerden, Eingaben und Klagen von Anliegern weiter an.

1962

Ungeachtet des schwierigen Starts in das Jahrzehnt entwickelt sich die Papierfabrik weiter. Ein erstes eigenes Kesselhaus wird errichtet.

Es folgt am 27. August die Inbetriebnahme eines von der Kesselfabrik Meyer aus Osnabrück gebauten Dampfkessels mit Schwerölfeuerung. Eigenstrom wird weiter mit der alten Dampfmaschine erzeugt.

1965

Altersbedingt gibt es einen Wechsel der Geschäftsleitung. Nachdem Emil Muhl und Otto Würth ihre Ämter niedergelegt haben, rückt der bisherige Betriebsleiter und Prokurist Theodor Brauckmann auf. Auch räumlich hat das Konsequenzen, denn die Geschäftsleitung wird nach Vreden verlegt. Dort gibt es neue Entwicklungen.

Durch einen Vergleich vor dem Landgericht Münster wird der unglückselige Mietvertrag mit der Firma Reerink rückwirkend zum 1. Januar für aufgelöst erklärt. Zwar muss die Papierfabrik eine Abfindung in Höhe von 240.000 DM zahlen, jedoch wirken die neue monatliche Festmiete ohne Zusätze und die Verkürzung der Laufzeit bis Ende 1970 befreiend.

Zudem wird für ein wenig Komfort gesorgt. Denn im Sommer wird der erste Gabelstapler zur Verladung von Papierrollen angeschafft. Bis dato wurde per Sackkarre und Muskelkraft verladen - je nach Rollengewicht mussten bis zu drei Arbeiter mit anpacken.

1966

Großer Erfolg in den gerichtlichen Streitigkeiten mit der Firma Reerink: Im Juli findet ein weiterer Vergleich vor dem Landgericht Münster statt. Gegen eine Abfindung von 265.000 DM sind in einem Zusatzvergleich alle Prozesse beendet.
Im November kommt es zur Klageerhebung eines Anliegers gegen das zuständige Gewerbeaufsichtsamt wegen angeblicher Untätigkeit des Amtes in Sachen Anliegerbeschwerden gegen die Papierfabrik.

1965-1967

Die heiße Phase der Entscheidung über die biologische Ausbaustufe der Kläranlage hat begonnen. Verhandlungen und Gespräche mit der Stadt sowie übergeordneten Behörden werden intensiver.

Erste Pläne reifen zur Schließung des internen Abwasserkreislaufes und der Aufgabe der das Abwasser belastenden Strohaufbereitung. Ende 1967 kann eine Einigung erzielt werden. Die Bausumme sinkt wegen neuer Technik auf 900.000 DM. Dabei ist der Anteil der Papierfabrik aufgrund der verringerten Abwassermengen auf ein zustimmungsfähiges Niveau gesunken. Der Bau der Anlage beginnt, die zweite Ausbaustufe folgt 1968. Die Papierfabrik kann mit mehr Zuversicht in die Zukunft blicken und erwirbt ein weiteres Grundstück an der Ausbachstraße.

1967

Das gesamte Rechnungswesen der Papierfabrik ist nun in Vreden konzentriert, da auch die Finanzbuchhaltung hierhin verlegt wird.

Zudem wird im Dezember der neue Spilling-Dampfmotor mit Generator in Betrieb genommen. Nun erreicht der Anteil der Eigenstromerzeugung am Gesamtbedarf 90 Prozent. Daher kann die von der Firma Reerink gemietete Dampfmaschine stillgelegt werden, wodurch auch die Probleme mit den durch die Maschine verursachten Erschütterungen ein Ende haben.

1969

Im Bezug auf die Anliegerklagen wird es ruhiger und die Pläne für eine "neue Papierfabrik" reifen.
Die Klage eines Anliegers gegen das Gewerbeaufsichtsamt wegen Untätigkeit wird im Oktober vom Verwaltungsgericht Münster abgewiesen. Dabei muss der Kläger die Kosten des Verfahrens tragen. Fortan werden die Beschwerdeführer zurückhaltender.

Nur einen Monat später gibt die Gesellschafterversammlung grünes Licht für die Pläne zur möglichst schnellen Aufgabe des Mietobjekts. Ein Kaufangebot der Firma Reerink für die Gebäude wird wegen unrealistischer Forderungen des Vermieters nicht angenommen. Also soll auf eigenem Grund und Boden eine "neue Papierfabrik" entstehen.